Energie - Effizienz
Die Gesamtenergieversorgung der Schweiz ist zu 80 % vom Ausland abhängig. Der weitaus grösste Anteil davon liegt beim Import von fossilen Brenn- und Treibstoffen (Erdöl, Erdgas). Diese Energieträger sind nicht nur knapp und endlich, ihr Verbrauch ist auch die Hauptursache für die CO2-Emissionen des Klimawandels.
Der Schweiz als ressourcenarmes Land muss diese Entwicklung im doppelten Sinne Anlass zur Sorge geben. Einerseits sind wir an einen hohen Lebensstandard gewohnt. Andererseits können wir nur einen Anteil von 20 % unseres Gesamtenergiebedarfs durch Wasserkraft, AKWs, Biomasse und übrige erneuerbare Energie im Inland generieren. Wer so stark vom internationalen Energiemarkt abhängig ist, muss sich den nicht beeinflussbaren Preis- und Angebotsentwicklungen anpassen.
Sind die dazu notwendigen ökologischen Massnahmen mit der ökonomischen Entwicklung unseres Landes verträglich? Globale Herausforderungen, Bevölkerungswachstum, steigender Lebensstandard, verstärkte Ressourcennachfrage und die Folgen des Klimawandels führen mittel- bis langfristig zu Verknappungen, Preisanstiegen und verschärften Verteilkämpfen. Und dabei soll der bisherige Lebensstandard möglichst beibehalten werden ...
Die Lösung dieser Situation liegt in der effizienteren Nutzung der Ressourcen: Jeder Verbrauch an Energie soll möglichst ohne Verluste erfolgen!
In der Schweiz gibt es heute 1.5 Millionen Gebäude. Ein Sechstel wurde nach 1990 erstellt. Der grosse Rest stammt aus den 60er und 70er Jahren oder ist noch älter. Diese Gebäude sind zu einem grossen Teil schlecht isoliert und wahre Energiefresser. Trotzdem werden jährlich lediglich 1.25 % des Gebäudebestandes energetisch saniert. Nur jedes 80. Gebäude entspricht den Anforderungen bezüglich Energieeffizienz. Die aktuelle Sanierungsrate müsste verdoppelt werden. Investitionen in energieeffizientere Gebäude sind aus ökologischer und ökonomischer Sicht sinnvoll, sie stärken aber auch den Arbeitsmarkt: Würde der Anteil an Sanierungen verdoppelt, könnten rund 20'000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Investitionsvolumen würde sich erhöhen und der Energieverbrauch bzw. der CO2-Ausstoss verringern.
Die weltweiten Bestrebungen nach effizientem Einsatz beziehungsweise Ersatz von fossilen Brennstoffen erfordern die Entwicklung neuer Technologien und schaffen auch für die Schweizer Exportwirtschaft neue Chancen. In den Bereichen Wind, Solar, Wasser, Biomasse und Energieeffizienz entstehen neue, stark wachsende globale Märkte. Der weltweite Markt für diese Sektoren beträgt heute etwa 500 Milliarden Euro. Im Jahre 2020 wird er auf mindestens das Vierfache angewachsen sein. Eine McKinsey-Studie schätzt, dass Schweizer Unternehmer in diesen Wachstumsmärkten ihren Umsatz von heute rund 10 Milliarden auf etwa 30 Milliarden Franken im Jahre 2020 steigern können. Die Folge wären 16'000 neue Arbeitsplätze in der Schweiz.
Auch die Wirtschaft kann von ökologischen Investitionen profitieren. Positive Effekte sind nicht nur für die produzierende Industrie, sondern auch für die gesamte Volkswirtschaft zu erwarten. Zahlreiche für die Schweiz wichtige Bereiche - wie der Tourismus, die Textilbranche und die Pharmaindustrie, aber auch die Finanzwirtschaft - können direkt von einer Cleantech-Strategie profitieren. Die Verbindung von Ökologie und Ökonomie ist für die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft der Weg zum Erfolg.

